Auf einen Blick
- Unser Bio-Hanföl liefert 19 g Alpha-Linolensäure pro 100 ml. Ein Esslöffel (15 ml) bringt rund 2,9 g ALA – über den 2 g, an die die zugelassene EU-Aussage zum Cholesterinspiegel gebunden ist.
- 61 mg Vitamin E pro 100 ml. Ein Esslöffel deckt damit rund 76 % des Tagesbezugswerts. Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
- 68 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Verhältnis Omega-6 zu Omega-3 bei etwa 3:1.
- Zwei Varianten: ungeschält (grün-gold, kräftig-nussig, leicht herb) und geschält aus dezent gerösteten Hanfherzen (hellgold, mild-nussig).
- Kaltgepresst unter 45 °C in Österreich, unraffiniert. Nicht erhitzen – Hanföl gehört ausschließlich in die kalte Küche.
LESEZEIT 9 MIN · Von Mag. Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin · Zuletzt aktualisiert Juli 2026
Was Hanföl ist – und wie wir es pressen
Hanföl wird aus den Samen der Hanfpflanze gepresst. Nicht aus Blüten, nicht aus Blättern – aus den Samen. Das ist der Grund, warum es ein ganz normales Speiseöl ist: Speisehanf enthält kein THC in wirksamer Menge, und im Samen kommt es ohnehin nicht vor.
In Hanfthal im Weinviertel wird seit 2004 Hanf angebaut – begonnen hat damit Günther Schmid. Heute wächst unser Hanf dort und bei unseren Vertragsanbaupartnern in Niederösterreich. Gepresst wird im Kaltpressverfahren bei unter 45 °C. Das dauert: rund eine Stunde für zwei Liter Öl. Schneller ginge nur mit mehr Druck und mehr Wärme – und dabei würden genau die hitzeempfindlichen Fettsäuren leiden, wegen derer man Hanföl überhaupt verwendet.
Danach wird nicht raffiniert und nicht gefiltert. Die Trübstoffe setzen sich von selbst ab (Sedimentation). Beim ungeschälten Öl geben die sekundären Pflanzenstoffe aus der Samenschale dem Öl seine charakteristische grünlich-braune Farbe. Ein leichter Bodensatz in der Flasche ist deshalb kein Fehler, sondern ein Zeichen dafür, dass das Öl unbehandelt ist.
Die Nährwerte im Detail
Hanföl ist fast vollständig Fett – das ist bei einem Öl zu erwarten. Interessant ist nicht die Menge, sondern die Zusammensetzung. Rund 68 % der Fettsäuren sind mehrfach ungesättigt, und genau die sind ernährungsphysiologisch relevant.
*Anteil am Nährstoffbezugswert (NRV) eines Erwachsenen, Vitamin E = 12 mg. Angaben Hanfland GmbH.
Was diese Zahlen praktisch bedeuten
Zwei Aussagen sind hier belegt und nach EU-Recht zulässig, und ich formuliere sie bewusst genau so:
- Alpha-Linolensäure trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 2 g ALA ein. Rechnerisch sind das rund 10,5 ml unseres Hanföls – gut zwei Teelöffel. Ein voller Esslöffel liegt mit etwa 2,9 g darüber.
- Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Mit 9,2 mg pro Esslöffel liegt der Beitrag deutlich über der Schwelle, ab der diese Aussage geführt werden darf.
Die dritte oft genannte Fettsäure ist die Gamma-Linolensäure. Sie ist eine Besonderheit, weil sie nur in wenigen Pflanzenölen überhaupt vorkommt. Sie gehört allerdings zu den Omega-6-Fettsäuren, nicht zu den Omega-3 – das wird häufig durcheinandergebracht. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Aussage gibt es für sie nicht, deshalb steht hier auch keine.
Gerdas Einordnung
„Hanföl liefert ALA, also pflanzliches Omega-3. Der Körper kann daraus EPA und DHA bauen – aber nur in geringem Ausmaß, unter 8 Prozent für EPA. Wer gezielt EPA und DHA aufbauen will, braucht Fisch oder Algenöl. Hanföl ist die Basis, nicht die ganze Antwort. Ausführlich habe ich das im Omega-3-Beitrag aufgeschrieben.“
Geschält oder ungeschält – welches passt zu dir?
Wir pressen zwei Öle, und der Unterschied liegt nicht im Fettsäureprofil, sondern im Geschmack und in der Farbe. Für das klassische Öl verwenden wir ungeschälte Hanfsamen. Für das milde Öl schälen wir die Samen vorher, rösten die Hanfherzen dezent und pressen sie erst dann – so bleiben die Bitterstoffe der Schale draußen.
Meine Empfehlung für den Einstieg: das geschälte Öl. Ich habe schon zu viele Flaschen kräftiges Hanföl im Küchenkasten stehen sehen, die niemand aufgebraucht hat, weil der Geschmack zu ungewohnt war. Wer das klassische Aroma kennt und mag, greift zum ungeschälten.
Hanföl in der Küche – was funktioniert
Die wichtigste Regel zuerst, und sie ist nicht verhandelbar: Hanföl nicht erhitzen. Kein Braten, kein Frittieren, nicht mitkochen. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind hitzeempfindlich – wer Hanföl in die Pfanne gibt, zerstört genau das, wofür er bezahlt hat. Über den fertigen Teller, nicht in den Topf.
Das Alltagsdressing
Hanföl, Zitronensaft, ein Löffel Senf, Salz, frische Kräuter. Kurz aufschlagen, fertig. Funktioniert zu fast jedem Salat und ist in zwei Minuten gemacht.
Suppen-Finish
Ein paar Tropfen auf Kürbis-, Erdäpfel- oder Karottensuppe – erst am Teller, nach dem Kochen. Gibt Farbe, Aroma und die Fettsäuren obendrauf.
Topfen und Joghurt
Ein Esslöffel mildes Hanföl unter Topfen rühren, dazu Hanfsamen. Der Klassiker aus der Budwig-Küche – und ein einfacher Weg, das Öl täglich unterzubringen.
Erdäpfelsalat
Hier darf das kräftige ungeschälte Öl ran. Warme Erdäpfel ziehen das Aroma auf – ein Weinviertler Standard, den ich nicht mehr anders mache.
Gerdas Tipp
Stell die Flasche nicht in den Vorratsschrank, sondern griffbereit neben Salz und Pfeffer. Öl, das man sieht, wird verwendet. Das ist der einzige Trick, der bei mir zu Hause dauerhaft funktioniert.
Lagerung und Haltbarkeit
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren reagieren empfindlich auf Licht, Wärme und Sauerstoff. Daraus folgen drei einfache Regeln: gut verschlossen halten, dunkel und kühl lagern, zügig aufbrauchen. Ein Platz im Küchenkasten reicht – die Lagerung im Kühlschrank ist bei ungeöffneten Flaschen nicht nötig.
Nicht neben den Herd stellen, auch wenn es dort praktisch wäre. Und nicht ins Fensterbrett. Wenn das Öl deutlich bitter oder ranzig riecht, ist es über den Punkt – dann gehört es weg und nicht auf den Salat. Deshalb ist die kleine Flasche für die meisten Haushalte die sinnvollere Wahl als der Vorratskanister.
Hanföl äußerlich – Pflege und Salben
Hanföl wird traditionell auch äußerlich verwendet, in Pflegeölen und selbst gerührten Salben. Es zieht vergleichsweise rasch ein und hinterlässt keinen schweren Film, was es als Basisöl beliebt macht. Für eine einfache Salbe reicht Hanföl mit Bienenwachs im Verhältnis von etwa fünf zu eins, vorsichtig geschmolzen und in ein sauberes Glas abgefüllt.
Ehrliche Einschränkung: Ich schreibe hier bewusst nichts über Hautkrankheiten. Im Internet kursieren dazu viele Versprechen, auch auf Hersteller-Seiten. Belastbare Aussagen zu Ekzemen, Schuppenflechte oder ähnlichem darf und will ich nicht treffen – das gehört in dermatologische Hände. Was ich sagen kann: Hanföl ist ein angenehmes Pflegeöl. Mehr behaupte ich nicht.
Wer Hanföl für die Mundpflege verwenden möchte, findet die Details im eigenen Beitrag zu Zungenreinigung und Ölziehen.
Häufige Fragen – ehrlich beantwortet
Macht Hanföl high?
Wie viel Hanföl pro Tag ist sinnvoll?
Kann man Hanföl erhitzen?
Was ist der Unterschied zwischen Hanföl und CBD-Öl?
Warum ist mein Hanföl trüb oder hat einen Bodensatz?
Geschält oder ungeschält – was soll ich nehmen?
Wie lagere ich Hanföl richtig?
Quellen und Grundlagen
- EU-Verordnung 1924/2006 und 432/2012 – zugelassene gesundheitsbezogene Angaben: Alpha-Linolensäure und Cholesterinspiegel (ID 469, ab 2 g täglich); Vitamin E und Schutz der Zellen vor oxidativem Stress.
- Hanfland GmbH: Produktangaben Bio-Hanföl kaltgepresst und Bio-Hanföl aus geschälten Hanfsamen (19 g Alpha-Linolensäure pro 100 ml, 61 mg Vitamin E pro 100 ml, 68 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Verhältnis Omega-6 zu Omega-3 etwa 3:1).
- Übersichtsarbeiten zur Umwandlung von Alpha-Linolensäure in EPA und DHA beim Menschen.
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Jetzt anmeldenWarum ich Hanföl im Haus habe – und was ich nicht verspreche
Mag. Gerda Steinfellner · Ernährungswissenschafterin · Hanfland GmbH
Hanföl ist für mich das einfachste Werkzeug, um die Fettqualität im Alltag zu verbessern. Nicht, weil es Wunder wirkt, sondern weil es einen Tausch ermöglicht: Es ersetzt Öle, die fast nur Omega-6 liefern, und bringt gleichzeitig Alpha-Linolensäure mit. Zwei Effekte, ein Handgriff.
Was ich dir auch sagen muss:
Hanföl ersetzt keinen ärztlichen Rat und keine ausgewogene Ernährung. Rund um Hanföl kursieren viele Heilversprechen – ich halte mich an das, was zugelassen und belegt ist. Bei Erkrankungen, Medikamenten, Schwangerschaft oder Stillzeit bitte mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen.
Woher unser Hanf kommt:
Unser Bio-Hanf wächst in Hanfthal im Weinviertel und bei unseren Bio-Vertragsanbaupartnern in Niederösterreich. Angefangen hat es 2004: Damals baute Günther Schmid in Hanfthal den ersten Hanf an. Hanfland entstand 2012, und 2016 stellte Günther seine Landwirtschaft in Hanfthal auf biologische Wirtschaftsweise um. Gepresst wird in Österreich. Günther kümmert sich um Boden und Anbau, ich um die Frage, was das für deine Ernährung bedeutet. Von A bis Z – vom Acker bis zur Zelle.
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