Einleitung
Von Mag. Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin & Mitgründerin von Hanfland
Lesezeit: ca. 10 Minuten | Kategorie: Hanf-Basics | Aktualisiert: 2026
Letzte Woche hat mich beim Supermarkt in Laa eine Frau angesprochen. Sie hält eine Flasche CBD-Öl hoch und sagt:
„Gerda, ich kaufe das jetzt seit einem Jahr – aber ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht genau, was es eigentlich macht.“
Ich musste lachen. Nicht weil die Frage dumm wäre – sondern weil ich sie so oft höre.
CBD ist eines der meistgekauften Naturprodukte in Österreich. Und gleichzeitig eines der meistmissverstandenen. Wirkungsversprechen auf der einen Seite, Skepsis auf der anderen. Und enorme Preis und Qualitätsunterschiede.
Was fehlt, ist das Dazwischen: eine sachliche Erklärung ohne Hype.
Genau das versuche ich hier. Als Ernährungswissenschafterin, die seit über 20 Jahren mit Hanf arbeitet – nicht als Werbung, sondern als Einordnung.
In diesem Beitrag
- Was ist CBD – und was ist es nicht?
- Das Endocannabinoid-System: dein körpereigenes Regulationssystem
- Wie CBD damit zusammenhängt
- Vollspektrum, Breitspektrum, Isolat – der Unterschied
- Worauf es beim Kauf wirklich ankommt
- Welches CBD-Öl für wen?
- Häufige Fragen – ehrliche Antworten
- Mein Fazit nach 20 Jahren Hanf
1. Was ist CBD – und was ist es nicht?
CBD steht für Cannabidiol – eine Verbindung, die natürlich in der Hanfpflanze vorkommt.
Es ist eines von über 100 Cannabinoiden, die Hanf produziert.
Das bekannteste Cannabinoid ist THC – der Stoff, der psychoaktiv wirkt und in der Freizeitdroge Cannabis vorkommt.
Der wichtigste Punkt:
CBD ist nicht THC.
CBD
- macht nicht high
- wirkt nicht berauschend
- fällt in Österreich nicht unter das Suchtmittelgesetz
Voraussetzung: Der THC-Gehalt liegt unter 0,2 % – was bei seriös hergestellten Produkten Standard ist.
Was CBD genau tut, ist eine komplexere Frage.
Als Wissenschafterin mache ich keine Wirkversprechen. Nicht weil ich nichts weiß, sondern weil Forschung weiterläuft und ich nur empfehle, was wissenschaftlich einzuordnen ist.
Was man sagen kann:
CBD ist ein Naturstoff mit einer interessanten biologischen Wirkungsebene im Körper.
Und um diese zu verstehen, müssen wir über ein System sprechen, von dem viele Menschen noch nie gehört haben.
2. Das Endocannabinoid-System: dein körpereigenes Regulationssystem
Als ich in den 1990ern Ernährungswissenschaft studiert habe, kam das Endocannabinoid-System in keinem Lehrbuch vor.
Es wurde erst 1992 entdeckt.
Heute weiß man:
Es ist eines der zentralen Regulationssysteme im menschlichen Körper.
Was ist das Endocannabinoid-System?
Das Endocannabinoid-System – kurz ECS – ist ein Netzwerk aus
- Rezeptoren
- Botenstoffen
- Enzymen
Es reguliert zahlreiche Prozesse im Körper.
Der Name kommt daher, dass das System entdeckt wurde, als Forschende untersuchten, warum der menschliche Körper überhaupt auf Cannabinoide reagiert.
Die Antwort:
Der Körper produziert eigene Cannabinoide.
Diese nennt man Endocannabinoide.
Die bekanntesten sind
- Anandamid
- 2-AG
Sie ähneln chemisch den Cannabinoiden der Hanfpflanze.
Die zwei wichtigsten Rezeptoren
| Rezeptor | Wo er vorkommt | Womit er zusammenhängt |
|---|---|---|
| CB1 | Gehirn und Nervensystem | Stimmung, Gedächtnis, Schmerzverarbeitung, Appetit |
| CB2 | Immunsystem, Darm, Knochen | Immunreaktion, Entzündung, Knochenstoffwechsel |
THC bindet vor allem an CB1-Rezeptoren – deshalb wirkt es psychoaktiv.
CBD wirkt nicht direkt an diesen Rezeptoren, sondern beeinflusst das System indirekt.
Warum dieses System so spannend ist
Das Endocannabinoid-System reguliert keine einzelne Funktion.
Es unterstützt den Körper dabei, im Gleichgewicht zu bleiben.
Der Fachbegriff dafür ist:
Homöostase
Beteiligt ist das ECS unter anderem an
- Schlaf
- Stimmung
- Schmerzempfinden
- Appetit
- Stressreaktionen
Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht – etwa durch
- chronischen Stress
- Schlafmangel
- Ernährungsdefizite
kann das Auswirkungen auf verschiedene körperliche Prozesse haben.
Einige Forschende sprechen sogar von einem möglichen „klinischen Endocannabinoid-Mangel“ als Erklärungsmodell für bestimmte Beschwerden.
Das ist noch Forschungsgebiet – aber ein spannender Ansatz.

3. Wie CBD mit dem ECS zusammenhängt
CBD bindet nicht direkt an CB1- oder CB2-Rezeptoren.
Stattdessen wirkt es indirekt auf das Endocannabinoid-System.
Zum Beispiel:
CBD kann das Enzym hemmen, das Anandamid abbaut.
Anandamid wird oft als „Glücksmolekül“ bezeichnet.
Wenn der Abbau verlangsamt wird, bleibt Anandamid länger aktiv.
Zusätzlich beeinflusst CBD andere Rezeptoren, darunter
- Serotonin-Rezeptoren
- TRPV1-Rezeptoren (beteiligt an Schmerzverarbeitung)
Die Forschung dazu ist noch nicht abgeschlossen.
Was gesichert ist:
- das ECS existiert
- es spielt eine zentrale Rolle im Körper
- CBD kann dieses System beeinflussen
Wie stark und mit welchen Effekten – das ist individuell verschieden.
4. Vollspektrum, Breitspektrum oder Isolat?
Diese Begriffe beschreiben grundsätzlich unterschiedliche CBD-Produkte.
| Typ | Inhalt | Entourage-Effekt | THC |
|---|---|---|---|
| Vollspektrum | alle Cannabinoide + Terpene + Flavonoide | ja | < 0,2 % |
| Breitspektrum | mehrere Cannabinoide ohne THC | teilweise | 0 % |
| Isolat | reines CBD | nein | 0 % |
Was bedeutet Entourage-Effekt?
Die Theorie:
Die Pflanzenstoffe der Hanfpflanze wirken gemeinsam stärker als isoliert.
Also das Zusammenspiel von
- CBD
- CBG
- CBC
- Terpenen
- Flavonoiden
Bei Hanfland haben wir uns deshalb bewusst für Vollspektrum-Produkte entschieden.
5. Worauf es beim Kauf wirklich ankommt
Der CBD-Markt ist groß – und nicht immer transparent.
Das sind die Kriterien, auf die ich persönlich achte.
Analysezertifikat
Für jede Charge sollte ein Laborbericht verfügbar sein.
Dieser zeigt:
- CBD-Gehalt
- THC-Gehalt
- Pestizide
- Schwermetalle
- Lösungsmittelrückstände
Vollspektrum
Aus den genannten Gründen bevorzuge ich Vollspektrum-Extrakte.
Trägeröl
Meine erste Wahl: Bio-Hanfsamenöl
Alternative: MCT-Öl aus Kokos.
CO₂-Extraktion
Die schonendste Extraktionsmethode:
- keine Lösungsmittelrückstände
- vollständiges Pflanzenprofil bleibt erhalten
Bio-Anbau
Hanf ist eine Akkumulationspflanze.
Er kann Schadstoffe aus dem Boden aufnehmen.
Darum ist Bio-Qualität besonders wichtig.
Transparenz des Herstellers
Seriöse Anbieter können beantworten:
- Wo wurde das Produkt hergestellt?
- Woher kommt der Hanf?
- Wie wird extrahiert?
Transparenz schafft Vertrauen.
6. Welches CBD-Öl für wen?

Die ehrliche Antwort:
Es kommt auf die Person an.
Eine Orientierung kann trotzdem helfen.
Faustregel:

Niedrig beginnen – langsam anpassen.
CBD ist kein Akutprodukt.
Regelmäßigkeit spielt eine Rolle.
Wichtig: CBD-Öle sind keine Arzneimittel.
Wer Medikamente nimmt, sollte vorher mit einem Arzt sprechen.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Erste Erfahrung mit CBD | 6 % |
| Regelmäßige Anwendung | 8 % |
| höhere Dosierung | 10 % |
| erfahrene Nutzer | 20 % |
8. Mein Fazit nach 20 Jahren Hanf
Ich habe den damals boomenden CBD-Markt vom ersten Hoch bis zum heutigen Tag miterlebt.
Ich habe gesehen:
- übertriebene Versprechen
- schlechte Produkte
- aber auch echte Qualität
Was mich an CBD interessiert, ist nicht der Hype.
Es ist die Biologie dahinter.
Das Endocannabinoid-System ist real und wissenschaftlich gut beschrieben.
Dass eine Pflanze, die wir im Weinviertel anbauen, Stoffe enthält, die dieses System beeinflussen können – bleibt für mich bemerkenswert.
Mein Rat:
- Kaufe nichts ohne Analysezertifikat.
- Hinterfrage Wirkversprechen.
- Informiere dich über Herkunft und Qualität.
Wer versteht, was er kauft, trifft bessere Entscheidungen.
Mag. Gerda Steinfellner
Ernährungswissenschafterin & Mitgründerin von Hanfland, Hanfthal im Weinviertel
Unsere CBD-Öle im Überblick
Alle CBD-Öle bei Hanfland sind
- Vollspektrum
- bio-zertifiziert
- extern laborgeprüft
Analysezertifikate sind auf den jeweiligen Produktseiten einsehbar.
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