Auf einen Blick
- Die Mengenangaben im Netz widersprechen sich, weil sie unterschiedliche Dinge meinen: frische Sprossen, trockene Samen oder Milligramm Wirkstoff.
- Entscheidend ist nicht das Gewicht, sondern der Gehalt. Und der steht bei den wenigsten Anbietern auf der Packung.
- Im Labor gemessen, März 2026: gekeimter Bio-Brokkoli im Ganzen 4.638,7 mg Sulforaphan je Kilogramm, gekeimter Bio-Brokkoli geschrotet 7.779,5 mg. Ein Unterschied von 68 %.
- Der Grund liegt im Mahlen selbst. Erst wenn Zellen aufbrechen, entsteht aus der Vorstufe Glucoraphanin überhaupt Sulforaphan. Hitze unterbricht diesen Schritt.
LESEZEIT 9 MIN · Von Mag. Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin
Warum überall etwas anderes steht
Wer nachschaut, wie viel gekeimter Brokkoli am Tag sinnvoll ist, bekommt Antworten, die kaum weiter auseinanderliegen könnten. Eine halbe Tasse. Zwei bis drei Teelöffel. Dreißig bis fünfzig Gramm. Siebzig bis hundert Gramm. Zwanzig bis vierzig Milligramm.
Das ist kein Zufall und keine Schlamperei. Diese Angaben meinen schlicht verschiedene Dinge … und niemand schreibt dazu, welche.
Dazu kommt das eigentliche Problem: Der Gehalt schwankt. Zwischen Sorten, zwischen Erntezeitpunkten, zwischen Lagerbedingungen. Zwei Packungen mit demselben Aufdruck können sich deutlich unterscheiden … und man sieht es ihnen nicht an.
Gerdas Einordnung
Eine Grammangabe ohne Gehaltsangabe ist ungefähr so nützlich wie ein Rezept, in dem „etwas Mehl“ steht. Deshalb drehe ich die Frage um: nicht wie viel Gramm, sondern wie viel ist drin. Das lässt sich messen, und genau das haben wir gemacht.
Was tatsächlich im Löffel steckt
Weil wir die geschrotete Ware noch nicht lange führen, haben wir im März 2026 eine Vergleichsanalyse in Auftrag gegeben. Gemessen wurde Sulforaphan, in einem unabhängigen Untersuchungslabor, am selben Tag und mit derselben Methode … einmal gekeimte Samen im Ganzen, einmal gekeimte Samen geschrotet.
Diese Werte gelten für den reinen gekeimten Brokkoli. Für die Mischung mit Daikon-Rettich liegt keine eigene Analyse vor … deshalb nenne ich dafür auch keine Zahl.
Die geschrotete Probe enthielt 68 % mehr messbares Sulforaphan. Nicht geschätzt, nicht aus einer fremden Studie übernommen … aus unserer Ware, im Labor bestimmt, mit Berichtsnummer.
Der Grund dafür steckt im nächsten Abschnitt: Beim Mahlen bricht die Zellstruktur auf, und genau dann läuft die Umwandlung an, für die der Körper sonst auf gründliches Kauen angewiesen wäre. Geschrotet nimmt dir das ab.
Was das für die Mengenfrage heißt: Du musst nicht raten. Ein gehäufter Esslöffel der geprüften geschroteten Ware liegt bei rund 78 mg … und diese Zahl steht auf einem Prüfbericht, nicht auf einem Werbeblatt.
Gerdas Tipp
Wenn du irgendwo Brokkoli-Keimlinge kaufst: Frag nach dem Sulforaphan-Gehalt und nach der Berichtsnummer. Wer beides nicht nennen kann, hat es nicht messen lassen … und dann ist jede Mengenempfehlung auf der Packung eine Vermutung.
Warum das Keimen den Unterschied macht
Ein Samen ist ein Vorratsbehälter. Solange er trocken liegt, passiert nichts … er wartet. Kommt Wasser dazu, beginnt der Stoffwechsel: Enzyme werden aktiv, Speicherstoffe umgebaut, die Pflanze bereitet sich auf die ersten Tage im Freien vor. Und weil ein Keimling wehrlos ist, rüstet er sich chemisch aus. Genau das kommt uns zugute.
Der Zeitpunkt ist dabei nicht beliebig. Die Konzentration steigt in den ersten Tagen deutlich an und verdünnt sich später wieder, weil die Pflanze Masse aufbaut … mehr Grün, aber pro Bissen weniger davon. Wer Sprossen wachsen lässt, bis sie schön aussehen, hat den günstigsten Moment meist schon hinter sich.
Wir keimen deshalb kontrolliert, trocknen schonend und schroten anschließend. Das Ergebnis ist haltbar, dosierbar und behält den Gehalt, den das Labor bestätigt hat. Mehr dazu, was Keimen mit Lebensmitteln macht, steht hier: Gekeimte Lebensmittel.
Glucoraphanin ist noch kein Sulforaphan
Hier wird es interessant, und hier machen die meisten den Fehler. In der intakten Pflanze gibt es kein Sulforaphan. Es gibt nur den Bauplan … Glucoraphanin, und daneben, sorgfältig getrennt, ein Enzym namens Myrosinase.
Erst wenn Zellen aufbrechen, treffen die beiden aufeinander. Beim Kauen, beim Schneiden, beim Schroten. Dann läuft die Reaktion, und Sulforaphan entsteht. Für die Pflanze ist das ein Abwehrmechanismus gegen Fraßfeinde … für uns die schärfliche Note im Rettich und der Grund, warum die Zubereitung so entscheidend ist.
Drei Dinge, die diesen Schritt verhindern
Hitze. Myrosinase ist ein Eiweiß und wird beim Erhitzen zerstört. Wer die Keimlinge mitkocht, hat am Ende zwar noch Glucoraphanin, aber nichts mehr, das es umwandelt. Deshalb: erst auf die fertige Speise streuen, nicht mitkochen. Lauwarm ist in Ordnung, dampfend heiß nicht.
Zu wenig Zerkleinerung. Ganze Samen, die im Ganzen hinuntergeschluckt werden, kommen unversehrt wieder heraus. Geschrotet ist dieses Problem gelöst, unabhängig davon, wie gründlich jemand kaut.
Genau das erklärt den Unterschied in der Tabelle weiter oben. Beim Mahlen trifft das Enzym auf die Vorstufe, und die Umwandlung beginnt bereits im Beutel … nicht erst im Mund. Deshalb misst das Labor in der geschroteten Probe deutlich mehr Sulforaphan als in den ganzen Samen.
Zu wenig Enzym. Die Umwandlung ist nur so gut wie die verfügbare Myrosinase. Genau deshalb kombinieren wir gekeimten Brokkoli mit gekeimtem Daikon-Rettich: Der Rettich bringt zusätzliche Myrosinase mit. Zwei Kreuzblütler, die einander ergänzen.
Gerdas Tipp
Bei frischem Brokkoli als Gemüse: kurz dünsten statt lange kochen. Und wenn du ihn ohnehin länger garst, streu eine Prise Senfpulver darüber. Senf ist ebenfalls ein Kreuzblütler und bringt die fehlende Myrosinase mit … ein alter Küchentrick, der biochemisch aufgeht.
Samen, Sprossen, geschrotet oder Kapsel
Vier Wege führen zum selben Pflanzenstoff. Sie unterscheiden sich in Aufwand, Verlässlichkeit und darin, wie viel du über den Inhalt weißt.
Was in dieser Tabelle nicht steht und trotzdem für manche entscheidend ist: Beide Varianten sind glutenfrei nach EU-Verordnung 828/2014, also unter 20 ppm, und damit auch bei Zöliakie geeignet. Das steht in beiden Spezifikationen und ist geprüft.
Meine Einordnung, offen gesagt: Selbst ziehen ist eine schöne Sache, wenn du Freude daran hast … ich mache das im Winter auch. Für den Alltag über Monate hinweg ist das geschrotete Material der ehrlichere Weg, weil du weißt, was drin ist, und weil es keine zwei Minuten am Tag kostet.
Brokkoli pur oder Brokkoli mit Rettich?
Wir haben zwei Varianten, und sie lösen zwei verschiedene Probleme. Das ist kein Marketing, das ist Biochemie … der eine Baustein bringt die Vorstufe, der andere das Werkzeug.
Beides zusammen geht selbstverständlich auch … Brokkoli am Morgen ins Joghurt, die Rettichmischung mittags über den Salat. Wer nur eines nimmt, macht nichts falsch.
Gekeimt, geschrotet, laborgeprüft
Zwei Varianten: gekeimte Bio-Brokkolisamen pur oder Sulfo Plus mit gekeimtem Daikon-Rettich. Beide in Österreich gekeimt, schonend getrocknet und geschrotet. Ohne Zusatzstoffe, ohne Kapsel, ohne Füllstoffe.
Gekeimte Kreuzblütler ansehenWie du es in den Alltag bringst
Die Tagesmenge unterscheidet sich zwischen den beiden Varianten: ein Esslöffel vom reinen geschroteten Brokkoli, ein Teelöffel von der Mischung mit Rettich. Die beste Menge ist ohnehin die, die du ein Jahr lang durchhältst. Vier Wege, die nichts kosten außer zehn Sekunden.
Ins Joghurt am Morgen
Ein Esslöffel geschroteter Brokkoli in Naturjoghurt gerührt, dazu geschälte Hanfsamen und Beeren. Das Fett im Joghurt nimmt die Schärfe.
Auf die Avocadoscheibe
Avocado zerdrücken, Salz, Zitrone, Keimlinge darüber. Der nussige Ton passt zusammen.
Über den fertigen Teller
Ofengemüse, Linsen, Suppe … aufstreuen, wenn das Essen schon auf dem Teller liegt. Nie in den Topf.
Ins Dressing
Mit Hanföl, Essig und Senf verrühren. Der Senf bringt zusätzliche Myrosinase mit, das passt inhaltlich und geschmacklich.
Wer vorher nachfragen sollte
Kreuzblütler sind Lebensmittel, keine Arznei. Trotzdem gibt es Situationen, in denen eine Rücksprache angebracht ist, bevor du etwas täglich isst:
- bei einer Schilddrüsenerkrankung
- bei Einnahme gerinnungshemmender Medikamente
- in Schwangerschaft und Stillzeit
- bei bestehenden Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme allgemein
Das ist keine Warnung, sondern die normale Vorsicht, die ich bei jedem Lebensmittel empfehle, das plötzlich täglich und konzentriert auf dem Teller landet.
Häufige Fragen
Wie viel gekeimter Brokkoli am Tag?
Warum widersprechen sich die Mengenangaben im Netz?
Reicht nicht einfach frischer Brokkoli?
Warum darf ich die Keimlinge nicht mitkochen?
Was bringt der Daikon-Rettich dazu?
Brokkoli pur oder die Mischung mit Rettich?
Soll ich Sprossen lieber selbst ziehen?
Wie schmeckt das?
Wie lange sollte ich das machen?
Quellen
- UBF Untersuchungs- und Forschungslaboratorium GmbH, Altlandsberg: Analysenbericht 202603040300 vom 9. März 2026. Parameter Sulforaphan, Methode UBF-SOP 3.IV.04_1. Probe 202603040302 „Brokkoli gekeimt GF BIO“ (LC:BA-Cont-70, K1398E): 4.638,7 mg/kg. Probe 202603040301 „Brokkoli gekeimt vermahlen GF BIO“ (Charge TK26030204): 7.779,5 mg/kg. Beauftragt von unserem Produzenten Keimkraft GmbH, Pöttelsdorf.
- Spezifikation Brokkoli gekeimt GF BIO (BI5201), Keimkraft GmbH, Version 5 vom 22. September 2025: Nährwerte, Allergene, Zertifizierungen, Ursprung.
- Spezifikation Keimkraft Sulfo Plus 1 GF BIO (SF5101), Version 1 vom 5. Juli 2024: Verkehrsbezeichnung, Zutatenreihenfolge, Nährwerte, Glutenfrei-Status.
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (LMIV), Anhang XIII: Referenzmengen.
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Hinweise zum Verzehr roher Sprossen und Keimlinge.
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Mag. Gerda Steinfellner · Ernährungswissenschafterin · Hanfland GmbH
Rund um Sulforaphan wird viel versprochen. Ich halte mich an das, was auf dem Prüfbericht steht … was drin ist, wie es entsteht und wie du es isst, ohne es kaputtzumachen. Das ist weniger spektakulär und dafür nachprüfbar. Die Analyse stammt aus unserer Ware und wurde von einem unabhängigen Untersuchungslabor durchgeführt, nicht von uns selbst.
Das Bio-Saatgut kommt aus der EU, gekeimt und geschrotet wird in Österreich, in einem zertifizierten Sprossenbetrieb. Keine Kapseln, keine Trägerstoffe, keine Isolate. Ich esse es selbst, jeden Tag zum Mittagessen.
Bei bestehenden Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme besprich neue tägliche Gewohnheiten bitte vorher ärztlich ab. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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