Auf einen Blick
- Die Schale ist der ballaststoffreichste Teil des Hanfsamens. Je nach Untersuchung besteht sie zu 30 bis 40 % aus Ballaststoffen, überwiegend unlöslichen.
- Unsere gekeimten und geschroteten Hanfsamen enthalten die ganze Schale und kommen auf 39 g Ballaststoffe pro 100 g.
- In der Schale sitzen Pflanzenstoffe, die im Kern kaum vorkommen: Cannabisine sowie N-trans-Caffeoyltyramin (NCT) und N-trans-Feruloyltyramin (NFT).
- Die Forschung dazu ist jung. Fast alles stammt aus Reagenzglas, Zellkultur und Tierversuch. Die beiden Humanstudien sind klein und wurden vom selben Hersteller finanziert.
- Mit CBD haben Cannabisine nichts zu tun. Sie gehören zu einer anderen Stoffgruppe und wirken nicht berauschend.
Beim Schälen von Hanfsamen bleibt jedes Mal ein Berg Schalen übrig. Lange galt das als Abfall, man hat es verfüttert oder kompostiert. Seit ein paar Jahren schauen sich Forschungsgruppen genau diese Schalen an, und sie finden darin Pflanzenstoffe, die es im weichen Kern kaum gibt.
Ich verfolge das mit Neugier, und ich möchte dir hier sauber auseinanderlegen, was davon gesichert ist und was noch Laborarbeit ist. Denn zwischen einem Ergebnis an der Maus und einem Löffel Hanfsamen im Müsli liegt ein weiter Weg.
Was die Schale eigentlich ist
Der Hanfsame ist botanisch eine kleine Nuss. Außen sitzt eine harte, dunkel gemusterte Hülle aus Fruchtwand und Samenschale. Darin liegt der weiche, helle Kern, den du als geschälte Hanfsamen kennst.
Der Kern bringt das Eiweiß und das Öl. Die Schale bringt vor allem Ballaststoffe, und zwar überwiegend unlösliche. Das sind Faserstoffe, die im Dünndarm nicht verdaut werden, Wasser binden und das Volumen im Darm vergrößern.
Unsere gekeimten und geschroteten Hanfsamen enthalten die ganze Schale, aufgebrochen durch das Schroten. Sie kommen auf 39 g Ballaststoffe pro 100 g und sind damit ballaststoffreich. Geschälte Hanfsamen haben deutlich weniger, weil der größte Teil der Faser mit der Schale abgetrennt wird.
Gerdas Tipp
Ganze ungeschälte Hanfsamen musst du wirklich kauen. Wer sie nur schluckt, sieht einen Teil davon am nächsten Tag unverändert wieder. Geschrotet ist die Schale schon offen, dann musst du dir darüber keine Gedanken machen.
Cannabisine, NCT und NFT: die Pflanzenstoffe der Schale
Jetzt wird es kurz chemisch, ich halte es so einfach wie möglich. In der Hanfsamenschale stecken sogenannte Phenylpropionamide. Das sind Verbindungen aus einer Pflanzensäure und einem kleinen stickstoffhaltigen Baustein.
NCT und NFT: die einfachen Bausteine
Die zwei häufigsten heißen N-trans-Caffeoyltyramin, kurz NCT, und N-trans-Feruloyltyramin, kurz NFT. Die Namen verraten ihre Herkunft: Kaffeesäure beziehungsweise Ferulasäure, verbunden mit Tyramin. Beide Säuren kennst du vielleicht aus Kaffee und Vollkorngetreide.
Cannabisine: zwei Bausteine zusammengehängt
Hängen sich zwei dieser Bausteine aneinander, entstehen größere Moleküle, die Lignanamide. Beim Hanf heißen sie Cannabisine, von A bis O durchnummeriert, je nach Reihenfolge ihrer Entdeckung. Cannabisin A und B sind die bekanntesten.
Wo sie sitzen, hat eine serbische Forschungsgruppe schon 2014 gezeigt: Sie trennte die Reststoffe der Hanfölpressung in Schalen- und Kernanteile. In den Schalenanteilen waren Cannabisin B und NCT die häufigsten Phenole, mit rund 270 bis 290 mg je Kilo. Im Kern überwogen andere Stoffe.
Nicht verwechseln
Cannabisine sind keine Cannabinoide. CBD und THC entstehen in den Blüten und Blättern der Pflanze, Cannabisine in der Samenschale. Die Ähnlichkeit liegt nur im Namen.
Was die Forschung bisher zeigt
Hier habe ich die Studien zusammengetragen, die ich für die wichtigsten halte. Achte beim Lesen auf die mittlere Spalte: Sie sagt dir, ob Reagenzglas, Zelle, Maus oder Mensch untersucht wurde.
| Studie | Was untersucht wurde | Was herauskam |
|---|---|---|
| Pojić und Team, 2014 | Reststoffe der Hanfölpressung, getrennt nach Schale und Kern | Die Schalenanteile hatten die meisten Ballaststoffe. Cannabisin B und N-trans-Caffeoyltyramin waren dort die häufigsten Phenole, mit rund 270 bis 290 mg je Kilo. |
| Yan und Team, 2015 | 14 Lignanamide aus Hanfsamen, im Reagenzglas | Mehrere davon zeigten antioxidative Aktivität, drei hemmten zusätzlich ein Enzym im Nervenstoffwechsel. Alles im Reagenzglas. |
| Kim und Team, 2026 | Reines Cannabisin A und B aus der Hanfsamenschale, in Zellen und bei Mäusen mit Diabetes-Modell | Beide Stoffe hemmten ein Enzym, das die Insulinwirkung bremst. Bei den Mäusen verbesserte sich der Nüchternblutzucker, je höher die Dosis, desto deutlicher. |
| Flores Martinez und Team, 2024 | Hanfschalenfaser sowie NCT und NFT, in Stuhlkulturen im Labor | Die Faser veränderte die Zusammensetzung der Darmbakterien in der Kultur und erhöhte ihre Vielfalt. |
| van Klinken und Team, 2024 | 579 Erwachsene mit Verdauungsbeschwerden, sechs Wochen, Hanfschalenfaser gegen Inulin und Placebo, Befragung online | Bei Blähungen und Bauchschmerzen schnitt die Hanfschalenfaser in einer nachträglichen Auswertung besser ab als Inulin. Veröffentlicht als Vorabfassung, noch nicht begutachtet. |
| Nieman und Team, 2025 | 23 trainierte Radfahrer, zwei Wochen täglich 5 oder 20 g Hanfschalenpulver im Riegel | Die Durchlässigkeit der Darmwand nach 2,25 Stunden Radfahren blieb unverändert. Im Blut veränderten sich mehrere Stoffwechselprodukte. |
Was mir dabei auffällt: Die spannendsten Ergebnisse, etwa zum Blutzucker, stammen von Mäusen, die reines Cannabisin in hoher Reinheit bekommen haben. Das ist ein isolierter Stoff, kein Lebensmittel.
Die beiden Studien an Menschen haben ein besonderes Produkt verwendet: eine aufbereitete Hanfschalenfaser eines US-Herstellers, der beide Studien auch finanziert hat. Die größere Studie lief komplett online mit Fragebögen und ist noch nicht begutachtet. Die kleinere war sauber gemacht, fand aber beim eigentlichen Messwert keinen Unterschied.
Einen Überblick über den Forschungsstand gibt eine Übersichtsarbeit im Journal of Dietary Supplements von 2024. Auch sie kommt aus dem Haus desselben Herstellers.
Was das für deinen Löffel Hanfsamen heißt
Wir wissen, dass die Schale Ballaststoffe und besondere Pflanzenstoffe mitbringt. Wir wissen nicht, wie viel davon in einer üblichen Portion steckt und was davon im Körper ankommt.
Gerade zur Aufnahme im Körper gibt es kaum Daten. Eine Übersichtsarbeit von 2025 hält fest, dass die Erkenntnisse dazu fast nur aus Zell- und Tierversuchen stammen. Ein Teil von NCT und NFT ist in der Faser fest gebunden und wird vermutlich gar nicht aufgenommen.
„Ich esse die Schale mit den gekeimten und geschroteten Hanfsamen, weil ich spüre, dass ich damit länger satt bin.“
Mag. Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin
So kommt die Schale auf deinen Teller
Die Schale ist hart, deshalb kommt es auf die Form an. Drei Wege, die im Alltag funktionieren:
1 · Gekeimt und geschrotet
Gekeimte und geschrotete Hanfsamen: zwei Esslöffel ins Müsli, in den Joghurt oder über das Porridge. Die Schale ist schon aufgebrochen, du musst nichts vorbereiten.
2 · Ungeschält und gemahlen
Ungeschälte Hanfsamen in der Kaffeemühle mahlen kann schwierig werden, weil sie durch das Fett verkleben. Probieren kann man es trotzdem, am besten in kleinen Mengen und gleich verwenden, etwa im Brotteig oder im Laibchen.
3 · Ganz, aber gut gekaut
Als knackiges Topping auf dem Salat. Dann aber wirklich kauen, sonst geht die Schale unverändert durch.
Und weil die Schale vor allem unlösliche Ballaststoffe bringt: langsam steigern und genug trinken. Mehr braucht es nicht.
Häufige Fragen, ehrlich beantwortet
Kann man die Schale von Hanfsamen essen?
Ja. Ungeschälte Hanfsamen sind ein ganz normales Lebensmittel, die Schale isst du einfach mit. Sie ist hart, deshalb gut kauen, schroten oder mahlen. Ganz geschluckt geht ein Teil der Samen unzerkaut durch.
Warum werden Hanfsamen überhaupt geschält?
Wegen Geschmack und Biss. Geschälte Hanfsamen sind weich, mild und nussig, sie passen über jeden Salat. Die Schale ist hart und etwas herb. Beim Schälen gehen allerdings der größte Teil der Ballaststoffe und die Pflanzenstoffe der Schale verloren.
Sind Cannabisine dasselbe wie Cannabinoide oder CBD?
Nein. Cannabisine gehören zu den Lignanamiden, einer ganz anderen Stoffgruppe. Mit CBD oder THC haben sie nur die Pflanze gemeinsam, aus der sie stammen. Sie wirken nicht berauschend.
Wie viel Cannabisin steckt in einem Löffel Hanfsamen?
Das weiß heute niemand genau, auch wir nicht. In der Literatur finden sich für die Schalenanteile aus der Hanfölpressung rund 270 bis 290 mg Cannabisin B und N-trans-Caffeoyltyramin je Kilo. Für unsere gekeimten und geschroteten Hanfsamen gibt es dazu noch keine Messung.
Verträgt jeder die Schale?
Die Schale bringt vor allem unlösliche Ballaststoffe mit. Wenn du bisher wenig davon isst, fang mit einem Löffel am Tag an, steigere langsam und trink genug dazu. Dann gewöhnt sich die Verdauung meist gut daran.
Ganze oder geschrotete Hanfsamen, was ist besser?
Für die Schale sind geschrotete oder gemahlene Samen praktischer, weil sie schon aufgebrochen sind. Ganze Samen musst du gründlich kauen. Gekeimt und geschrotet ist die Form, die im Alltag am wenigsten Aufwand macht.
Quellen und Grundlagen
- Pojić M. und Team: Characterization of Byproducts Originating from Hemp Oil Processing. J. Agric. Food Chem. 2014;62(51):12436-12442. DOI 10.1021/jf5044426.
- Yan X. und Team: Characterization of Lignanamides from Hemp (Cannabis sativa L.) Seed and Their Antioxidant and Acetylcholinesterase Inhibitory Activities. J. Agric. Food Chem. 2015;63(49):10611-10619. DOI 10.1021/acs.jafc.5b05282.
- Kim J. H. und Team: Cannabisin A and B from hemp seed hulls improve glucose homeostasis by re-engaging insulin, leptin, and AMPK pathways via selective PTP1B inhibition. Phytomedicine 2026;154:158054. DOI 10.1016/j.phymed.2026.158054.
- van Klinken B. J.-W. und Team: Health-Promoting Opportunities of Hemp Hull: The Potential of Bioactive Compounds. J. Diet. Suppl. 2024;21(4):543-557. DOI 10.1080/19390211.2024.2308264.
- Flores Martinez K. E. und Team: Hemp hull fiber and two constituent compounds, N-trans-caffeoyltyramine and N-trans-feruloyltyramine, shape the human gut microbiome in vitro. Food Chem. X 2024;23:101611. DOI 10.1016/j.fochx.2024.101611.
- van Klinken B. J.-W. und Team: An Upcycled Dietary Fiber Rich in Bioactives from Hemp Hulls Supports Digestive Comfort in Healthy Adults. Preprints 2024, 2024090094. DOI 10.20944/preprints202409.0094.v1.
- Nieman D. C. und Team: Selective Influence of Hemp Fiber Ingestion on Post-Exercise Gut Permeability: A Metabolomics-Based Analysis. Nutrients 2025;17(8):1384. DOI 10.3390/nu17081384.
- Bioavailability and Metabolism of N-Trans Caffeoyltyramine and N-Trans Feruloyltyramine: A Narrative Review. J. Diet. Suppl. 2025. DOI 10.1080/19390211.2025.2597203.
- Produktangaben Bio Hanfsamen gekeimt und geschrotet, Hanfland GmbH: Ballaststoffe 39 g/100 g.
Hanfsamen mit Schale von Hanfland
Warum ich über die Schale schreibe
Mag. Gerda Steinfellner · Ernährungswissenschafterin · Hanfland GmbH
Seit über 15 Jahren arbeite ich mit Hanf als Lebensmittel. Die Schale war dabei lange das, was beim Schälen übrig bleibt. Dass sich die Forschung jetzt genau dafür interessiert, finde ich spannend, und ich möchte, dass du dir selbst ein Bild machen kannst.
Was ich dir auch noch sagen möchte:
Studien an Zellen und Mäusen sind ein Anfang, keine Antwort. Wenn dir jemand verspricht, die Hanfsamenschale regle deinen Blutzucker, dann greift das der Forschung weit voraus.
Beim Recherchieren und Formulieren hilft mir KI. Was hier steht, habe ich gelesen, nachgerechnet und freigegeben, und dafür stehe ich mit meinem Namen.
Woher unser Hanf kommt:
Unser Hanf kommt von unserem Hanfland-Anbau in Hanfthal im Weinviertel und von unseren Bio-Vertragsanbaupartnern in Niederösterreich. Von A bis Z … vom Acker bis zur Zelle.







